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„Es lebe die Freiheit!“

„Es lebe die Freiheit“. Das waren die letzten Worte des 24-jĂ€hrigen Medizinstudenten Hans Scholl. Sekunden spĂ€ter wurde er im GefĂ€ngnis MĂŒnchen-Stadelheim mit dem Fallbeil getötet. Seine 21-jĂ€hrige Schwester Sophie und der 23 Jahre alte Christoph Probst wurden ebenfalls am gleichen Tag, dem 22. Februar 1943, hingerichtet.

Unsere Schule in Osdorf trĂ€gt den Namen Geschwister Scholl – ein Name, der fĂŒr Mut, Verantwortung und Zivilcourage steht. Sophie und Hans Scholl gehörten zu den GrĂŒndungsmitgliedern der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, die sich wĂ€hrend der Zeit des Nationalsozialismus mutig fĂŒr Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Freiheit eingesetzt hat. Ihr Handeln erinnert uns daran, dass jede und jeder Einzelne Verantwortung fĂŒr das Zusammenleben in unserer Gesellschaft trĂ€gt.
Jedes Jahr begehen wir daher an der GSST in Gedenken an unsere Namensgeber:innen Ende Februar den Geschwister-Scholl-Tag: Denn welche Geschichte hinter unserem Schulnamen steckt, und was wir daraus fĂŒr heute lernen können, erforschen unsere SchĂŒlerinnen und SchĂŒler von Jahrgang 5-13 immer wieder aufs Neue – so auch in diesem Jahr!
Hier ein kurzer Einblick in unseren Geschwister-Scholl-Tag, der dieses Jahr am Freitag, 20.02., stattfand:

Überall in der Schule hingen große Plakate mit Zitaten der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ aus. Dazu gab es Fragen, die uns zum Nachdenken und Diskutieren anregten.
In der Bibliothek lagen viele Neuerwerbungen zum Thema, unter anderem richtig tolle Graphic Novels, zum Ausleihen aus.
Ganze neun Klassen hatten sich fĂŒr das „Schulkino“ im Abaton angemeldet und sahen dort in einer tollen Kino-AtmosphĂ€re dem Thema und dem Alter entsprechende Filme.

Verschiedene SchĂŒler:innen der JahrgĂ€nge 6-9 gestalteten gemeinsam mit Boldly e.V. Workshops zum „Black Empowerment“.

Drei Klassen des Jahrgangs 7 haben zum Thema „Erinnern“ gearbeitet.
ZunĂ€chst haben sich die SchĂŒler:innen ĂŒber die Schicksale informiert und dann zu ihren Stolpersteinen recherchiert. Im Anschluss wurden die Steine im Hamburger Stadtgebiet aufgesucht.
Die 7c besuchte z.B. den Gedenkstein des ehemaligen KZ-Außenlagers Eidelstedt in der Randowstraße 14 und die fĂŒnf dort liegenden Stolpersteine. Das Außenlager Eidelstedt gehörte zum Konzentrationslager Neuengamme. WĂ€hrend der Zeit des Nationalsozialismus mussten dort Frauen unter schweren Bedingungen Zwangsarbeit in Hamburg leisten. Viele der Gefangenen litten unter Hunger, KĂ€lte und harter Arbeit und verstarben aufgrund der harten Bedingungen im Lager. Am Gedenkstein und den Stolpersteinen angekommen, informierten die SchĂŒler:innen sich gegenseitig durch VortrĂ€ge ĂŒber die Geschichte des Ortes und ĂŒber die Biografie der Menschen, an welche die Stolpersteine gedenken. Der Ausflug hat sie alle daran erinnert, wie wertvoll Demokratie und Freiheit heute sind und dass wir aus der Geschichte lernen mĂŒssen.

Auch eine 9. und eine 5. Klasse beschĂ€ftigte sich mit dem KZ-Außenlager in Eidelstedt: Sie hatte den Leiter der Mobilen Geschichtswerkstatt Eidelstedt, Wolfgang Wallach, zu Gast. Er hielt einen Vortrag zur Geschichte und Erinnerungskultur des ehemaligen KZ-Außenlagers, bevor er mit den beiden neuen Patenklassen (9e und 5c) zu den Stolpersteinen in der Randowstraße arbeitete.

Zwei achte Klassen nahmen an Workshops des Museums der Arbeit teil.

In der 11b war HĂšdi Bouden mit seinem preisgekrönten Projekt „Architecture of Hope“ zu Besuch: Der engagierte Lehrer und Kulturbeauftragte des Helmut-Schmidt-Gymnasiums in Wilhelmsburg ist Initiator zahlreicher Projekte wie „Architecture of Hope“, die junge Menschen aus Israel, PalĂ€stina und Hamburg zusammenbringen und versteht sich als „BrĂŒckenbauer“. Der 11ten Klasse prĂ€sentierte er sein Projekt und hielt einen Workshop ab.

Der Historiker, ehemalige Lehrer und Autor Hans Peter de Lorent las fĂŒr einige Profile der Oberstufe aus seinem Buch „Goebbels‘ Schatten“ und diskutierte anschließend mit den faszinierten SchĂŒler:innen. Besonderes Interesse fand das Thema der „Entnazifizierung“, deren teilweises Scheitern de Lorent in seinem Tatsachenroman eindrucksvoll zu schildern wusste.

 

Als Stadtteilschule im Bezirk Altona sind wir ein ausdrĂŒcklicher Ort der Vielfalt. Unterschiedliche Lebenswege, Kulturen und Erfahrungen prĂ€gen unseren Schulalltag.

Unter dem Schulmotto „Gemeinsam leben und lernen“ fördern wir an der Geschwister-Scholl-Stadtteilschule in Osdorf ein respektvolles Miteinander, gegenseitige WertschĂ€tzung und demokratisches Handeln. In diesem Sinne versteht die Schule Bildung nicht nur als Wissensvermittlung, sondern als gemeinsames Lernen fĂŒr eine solidarische, offene und gerechte Zukunft – ganz im Geist der Geschwister Scholl.

 

Der Geschwister-Scholl-Tag war fĂŒr uns, fĂŒr die gesamte Schulgemeinschaft einmal mehr ein wirklicher und wichtiger Gedenktag, der auf unterschiedliche Weise noch lange in unseren Köpfen nachhallen wird.

Text: Jule LĂŒbcke